Home Publikationen Service Organisationen Seminare Kontakt Termine
ASW-Österreich
Email:
+43 6507282096
 
 
Maya

Risse im Schleier der MAYA

Teil 1

von

Dr. Friedrich Demolsky

Ich wage zu behaupten, dass die Spannung zwischen Naturwissenschaft und Glaube nicht im Sinne von Elimination oder Dualität, sondern im Sinne einer Synthese gelöst werden sollte. Teilharde de Chardin

Wenn wir in unserem Alltag von "unserer Wirklichkeit" oder "unserer Realität" sprechen, sind wir uns dann gleichzeitig auch der Unschärfe und der Relativität, die unserem Wirklichkeits- bzw. Realitätsbegriff anhaften, bewusst ? Wohl kaum. Meist denken wir gar nicht erst tiefer darüber nach, welche Bedeutung jene, von uns so oft verwendeten Begriffe haben. Wir vermeinen vielmehr, dass etwas bereits deswegen "wirklich" sein müsste, weil wir dies ja aus ganz "gewichtigen" Gründen annehmen bzw. behaupten. Und wir glauben, dass wir ohne weiteres dazu berechtigt, ja sogar verpflichtet sind, etwas als "wirklich", "real" oder als "existent" anzunehmen, weil wir dieses Etwas entweder mit unseren Sinnen wahrnehmen, oder dank unserer Vernunft logisch erschliessen, oder mathematisch exakt ableiten und "beweisen" können.

Bei näherer Betrachtung, erweisen sich letztendlich alle unsere spitzfindigen Annahmen betreffend "unsere Wirklichkeit" - und damit bezüglich der wahren Natur der Dinge, Abläufe und Ereignisse in der phänomenalen Welt - als blosse Trugbilder unseres Geistes bzw. unseres Denkvermögens. Den alten Meistern und Eingeweihten, den Schamanen, Magiern und Priestern waren diese Irrlichter des menschlichen Geistes durchaus bekannt. Sie alle vertrauten deshalb auf ihrer spirituellen Suche nicht in die Welt der Erscheinungen, die sich vor ihren nach aussen gerichteten Sinnen auftat. Sie warnten vielmehr seit undenklichen Zeiten ernsthaft Suchende vor den mannigfaltigen Illusionen in unserer materiellen Welt, und sie alle nahmen Zuflucht zu ihren inneren spirituellen Quellen, um die Natur des "Wahren" und "Wirklichen" zu erfahren…

So hat in der Hindu-Philosophie - auch heute noch - ausschliesslich das, was ewig und unveränderlich ist, Realität. Alles andere, hingegen, das dem Verfall oder der Veränderung unterworfen ist und deshalb Anfang und Ende haben muss, wird von den Hindus als "Maya" bezeichnet. Auch der Buddhismus geht davon aus, dass sich hinter dem Schleier der Maya das Wesentliche, das Wirkliche und Reale, verbirgt. Der Begriff "Maya" entstammt dem Sanskrit und bedeutet soviel wie "Illusion" bzw. "Selbsttäuschung".

Die bekannte Esoterikerin des 19. Jahrhunderts, H.P. Blavatsky, lehrte, dass Maya auch eine kosmische Kraft sei, welche die phänomenale Existenz erzeugt und die Wahrnehmung derselben überhaupt erst ermöglicht. Dieser Gedanke wurde von Dr. Henri C. Birven, einem Vertreter des magischen Idealismus und esoterischen Schriftsteller, zu Beginn unseres Jahrhunderts erneut aufgegriffen und ergänzt. Birven bemerkt in seinem Werk "Lebenskunst in Yoga und Magie", dass Maya keinesfalls nur Illusion oder Schein sei. Vielmehr verschleiere bzw. negiere diese kosmische Kraft das vollkommene Bewusstsein, weshalb die Dinge, Abläufe und Ereignisse in der phänomenalen Welt für uns diffenziert in "Erscheinung" treten müssten…

Jeder spirituell suchende Mensch steht irgendwann vor der Aufgabe, auch jene Daten, die er bezüglich "unserer Wirklichkeit" und "unserer Realität" in seinem ganz "persönlichen Computer" gespeichert hat, einer gründlichen Revision zu unterziehen und auf ihre Stimmigkeit hin zu überprüfen. Gerade die dabei gewonnenen Einsichten können aber niederschmetternd sein, weil sie grundsätzlich geeignet sind, das Fundament, auf dem wir unser persönliches Weltbild errichtet haben, massiv zu erschüttern… Es geht im ersten Teil dieses Artikels darum, das Bewusstsein des geneigten Lesers auf sanfte Weise zu weiten, damit er für seine persönliche spirituelle Reise und Entwicklung besser gerüstet und vorbereitet ist. Zu diesem Zweck möge der geneigte Leser einen Schritt zurücktreten, um so eine grössere Perspektive und einen weiteren Gesichtskreis zu gewinnen.

Bei meiner persönlichen spirituellen Entwicklung hat mir der "Kalender der menschlichen Evolution" sehr geholfen, den Robert S. Francoeur verfasst hat: "Da das genaue Datum für das Erscheinen des Menschen nie bekannt sein wird, wollen wir es willkürlich auf vor etwa eineinhalb Millionen Jahren festsetzen. Dann wollen wir die Geschichte der Menschheit mit einem Kalenderjahr gleichsetzen, in dem ein "Tag" viertausend Jahre Menschheitsgeschichte entspricht. Danach treten im Januar die Vorfahren unseres Homo habilis auf. Der Homo habilis konnte aufrecht gehen und primitivste Werkzeuge anwenden. Wahrscheinlich konnte er nicht sprechen wie wir, doch da er in Horden jagte, hatte er zweifellos irgendein Kommunikationsmittel.

Die Sprache, wie wir sie heute kennen, entwickelte sich sehr allmählich in den ersten drei Monaten unseres "Jahres". Der evolutionäre Fortschritt des Menschen war bestenfalls langsam und zögernd: Das Feuer diente zunächst zum Schutz vor Kälte und vor wilden Tieren, erst viel später zur Nahrungszubereitung; Werkzeuge wurden aus Stein gehauen; die Geschicklichkeit des Jägers entwickelte sich ebenso langsam wie seine Gehirnrinde. Der Sommer kam und ging und der Herbst war schon zu zwei Drittel vergangen, als endlich um den ersten November der Neandertaler auftauchte.Die ersten Anzeichen eines religiösen Glaubens kann man in den Begräbnisstätten der späten Neantertaloiden entdecken, etwa am 17. Dezember. Bis zum 24. Dezember unseres hypothetischen Jahres sind alle Vorgänger des Homo sapiens oder die primitiven Arten des Menschen ausgestorben beziehungsweise absorbiert vom fortschrittlicheren und moderneren Cromagnonmenschen.

Der Ackerbau begann etwa am 28. Dezember, und unsere gesamte historische Ära, die kurzen sechs- bis zehntausend Jahre, von denen wir eine geschichtliche Kenntnis haben, fand in den letzten beiden Tagen unseres "Jahres" statt. Sokrates, Plato und Aristoteles wurden ungefähr um neun Uhr früh am 31. Dezember geboren, Christus um zwölf und Columbus um 21 Uhr 30. Die letzte Stunde des 31. Dezember von 23 Uhr bis Mitternacht enthält das gesamte neunzehnte und zwanzigste Jahrhundert".

Aus dieser Perspektive erkennen wir ziemlich klar, dass weder die bestehenden Religionen mit ihren Behauptungen letzter und äusserster Kenntnis Gottes und seiner Schöpfung, noch unsere vielgepriesenen Naturwissenschaften mit ihren Versuchen, unserere "Wirklichkeit" zu "vermessen", nicht annähernd so alt sind wie uns dies der Anschein suggeriert. Weder beim Glauben, noch beim Wissen handelt es sich um einen blinden Sprung ins Nichts, sondern um einen überlegten Gang in das Licht, an dem wir als Menschen teilhaben.

Teil dieses Lichtes ist aber auch die Erkenntnis, dass unsere Welt, ob Gott sie nun liebt oder nicht, wesentlich grösser ist als unser persönliches und wissenschaftliches Verständnis von ihr. Wenn nichts sonst, so sollte uns vielleicht gerade diese Einsicht etwas bescheidener machen und unsere überheblichen Ansprüchen, wie beispielsweise im Besitz der "einen Wahrheit" zu sein, widerlegen…

Ich erinnere mich an die Aussage eines Politikers: "Wenn Weisse, Schwarze und Braune und alle Andersfarbigen beschliessen, als Christen zusammen zu leben, dann, und nur dann, werden wir einen Weg aus all diesen Nöten finden." Diese Erklärung mag jenem Politiker etwas bedeutet haben; aber was bedeutet sie schon den zweieinhalb Milliarden Menschen, die heute in dieser Welt leben und nicht wissen, wer Christus war, ja, die noch nicht einmal seinen Namen vernommen haben ? Dies führt uns zu einer weiteren Möglichkeit, die Welt, in der wir leben, aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen.

In einem Buch, das ich vor einiger Zeit gelesen habe, wurden folgende statistische Überlegungen angestellt:

"Wenn die viereinhalb Milliarden Menschen der Welt in einer Gruppe von einhundert Personen repräsentiert werden könnten, dann wären sechs davon Bürger der Vereinigten Staaten; vierundneunzig wären Bürger anderer Länder. Sechs würden die Hälfte des Geldes der Welt besitzen; vierundneunzig würden sich die andere Hälfte teilen; von den vierundneunzig würden zwanzig faktisch die restliche Hälfte besitzen. Sechs hätten fünfzehn mal mehr materielle Besitztümer als die anderen vierundneunzig zusammen. Sechs hätten 72 Prozent des durchschnittlichen täglichen Nahrungsbedarfs; zwei Drittel der vierundneunzig hätten einen Erneährungsstandard unterhalb des Minimums, und viele von ihnen wären am Verhungern. Die Lebenserwartung von sechs würde siebzig Jahre betragen. Die Lebenserwartung von vierundneunzig käme auf neunundreissig Jahre. Von den vierundneunzig kämen dreiunddreissig aus Ländern, in denen der christliche Glaube gelehrt wird. Von den dreiundreissig wären vierundzwanzig Katholiken und neun Protestanten. Weniger als die Hälfte der vierundneunzig hätten den Namen Christi gehört, doch die Mehrheit der vierundneunzig wüsste von Lenin. Unter den vierundneunzig würden drei kommunistische Dokumente kursieren, die an Auflagezahl der Bibel überlegen sind. Im Jahr 2000 wird jeder dritte Mensch Chinese sein."

Im Ernst ! Wir betrügen uns doch nur selbst, wenn wir weiterhin mitreissende Erklärungen über Gott oder den Menschen von uns geben, ohne ständig die hier kurz skizzierten Fakten des Lebens selbst vor Augen zu haben: damit meine ich insbesondere die lange Dauer der menschlichen Entwicklung und die auch heute noch bestehende Verschiedenartigkeit in unserer "sozialen Wirklichkeit" wie überhaupt im menschlichen Denken. Der Naturwissenschaftler, der in die Welt hinausschaut, wird mit neuen Technologien in immer fernere Welten oder in immer kleinere Bereiche der Materie vorstossen. Er wird die vorgefundenen Phänomene - so gut er das eben kann - beschreiben und zu verstehen suchen. Bei all seinem Tun, wird er aber immer nur einen sehr kleinen Ausschnitt vom Ganzen erfassen, nämlich jenen, der sich unter gleichen Bedingungen mit gleichem Ergebnis reproduzieren und damit auf wissenschaftlicher Grundlage verifizieren lässt.


Geht unser Wissenschaftler auch nur einen winzigen Schritt über diese enge (wissenschaftliche) Grenze hinaus, dann verweilt auch sein Bewusstsein plötzlich im Bereich des Metaphysischen und der reinen Subjektivität. In diesen "Sphären" oder "Höheren Welten" ist auch jeder Wissenschaftler - also auch der Theologe - urplötzlich all seiner wissenschaftlichen Autorität enthoben. Dort ist er lediglich Mensch, ein mit Würde und mit grenzenlosem Bewusstsein ausgestattetes Wesen, wie Sie und ich, und wie all unsere vielen Mitmenschen auch…

Damit haben wir einen ersten kurzen Blick durch einen der Risse im Schleier der Maya getan, und wir konnten auf diese Weise vielleicht ein sanftes "Aufweichen" oder "Abbröckeln" unseres gegenwärtigen Wirklichkeitverständnisses wahrnehmen. Wenn Sie gerne mehr "sehen" wollen, können Sie nun im zweiten Teil dieses Artikels einen tieferen Blick durch einen anderen Riss im Schleier der Maya riskieren.

Info zum Autor:
Dr. Friedrich Demolsky
Mitbegründer von BALISHAMAN – BALI SHAMANIC SERVICE

Website:
http://balishaman.com
http://balifriends.com

 
Derzeit sind 13
Artikel zum Thema

Schamanismus

vorhanden.